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„Orange ist für Sie tabu“

Volle Hütte in der Warncke Werkstatt ...

Experte Carsten Steffen schult in Tarmstedt Feuerwehrleute für Unfälle mit Elektroautos

(Johannes Kessels, Wümme Zeitung, 16.06.2016)

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Tarmstedt. Elektroautos fahren zwar (noch) nicht allzu weit, dafür aber sehr leise. Aber genau das kann ein Problem sein, auch für Ersthelfer bei Unfällen. „Dass man nichts hört, heißt nicht, dass kein Strom fließt“, sagt Carsten Steffen von der Volkswagen AG bei einer Schulung für Feuerwehrleute im Autohaus Warncke.

Etwa 80 Feuerwehrmänner und zwei -frauen aus der ganzen Samtgemeinde konnte Serviceleiter Frank Radeck in der Werkstatt des Autohauses begrüßen, die sich mit der relativ neuen Technik vertraut machen wollten. Neue Technik führt bei Unfällen zu neuen Problemen, das war schon vor etwa 20 Jahren so, als sich auf breiter Front die Airbags in Autos durchsetzten. Wenn bei einem Unfall ein Airbag nicht ausgelöst hatte, konnte es vorkommen, dass er sich genau in dem Moment schlagartig aufpumpte, in dem ein Unfallhelfer sich in den Wagen beugte, um den Fahrer zu bergen. Manche dieser Fälle gingen tödlich aus.

Heutige Elektroautos haben ein Hochspannungsnetz mit über 400 Volt, erklärte Carsten Steffen. „Alles von der Wasserpumpe bis zu den Servosystemen, die sonst vom Verbrennungsmotor angetrieben werden, wird elektrisch betrieben.“ Allerdings gibt es zusätzlich für Verbraucher wie Licht oder Scheibenwischer ein übliches Zwölf-Volt-Bordnetz. Das Hochspannungsnetz ist orange verkabelt. „Orange ist für Sie tabu“, warnte Steffen.

Unter Strom

Aber es ist nicht nur die hohe Stromspannung, die gefährlich werden kann, sondern auch die gänzlich andere Kraftentfaltung eines Elektromotors: Sein größtes Drehmoment, also die Kraft im Unterschied zur Leistung, ist sofort beim „Stromgeben“ da, nicht erst, wie bei einem Verbrennungsmotor, bei höheren Drehzahlen. Carsten Steffen schildert einen „Verkehrsunfall, der eigentlich gar keiner ist“: Einer hochschwangeren Frau wird übel, sie hält an und sackt über dem Lenkrad zusammen. Ein Unfallhelfer beugt sich durch die offene Seitenscheibe, spricht die Frau an, die erschrickt und tritt aufs Strompedal – der Helfer hört ja nicht, ob der Motor betriebsbereit ist, und solange das System unter Strom steht, genügt ein Tritt aufs Pedal, um loszufahren. „Wenn dann Ihr Kopf in der Fensteröffnung steckt, haben Sie das größte Problem ihres Lebens“, sagt Carsten Steffen – es könnte durchaus auch das letzte Problem im Leben des Helfers sein.

Deshalb solle man immer die Tür öffnen, dann schaltet das System sich in etwa 15 Sekunden von selbst ab. Solange im Armaturenbrett der grüne Schriftzug „Ready“ leuchtet, steht das Hochspannungsnetz unter Strom. Bei einem Unfall, bei dem Airbag und Gurtstraffer auslösen, wird zumindest bei Wagen des VW-Konzerns das Netz selbsttätig stromlos geschaltet.

Das Hochvoltsystem sei „eigensicher“, so Steffen, und es sei auch galvanisch von der Karosserie getrennt. Der alte Grundsatz „Minus an Masse“ (also ans Karosserieblech) gilt auch bei Elektroautos nur für das Zwölf-Volt-Bordnetz. In den Türschwellern und Dachpfosten, die manchmal aufgetrennt werden müssen, um Passagiere zu bergen, verlaufen keine Leitungen.

Als erstes müssen Helferinnen und Helfer sich bei einem Unfall eine Übersicht verschaffen. Woran man erkenne, ob es sich um ein E-Auto handle, fragt ein Feuerwehrmann. Bei reinen Stromern ist das einfach, sie besitzen keinen Auspuff. Hybridautos haben aber einen Auspuff und werden ebenfalls mit über 400 Volt Hochspannung betrieben.

Die Hersteller kennzeichnen zwar ihre Elektrofahrzeuge, erklärt Steffen, aber der Kunde könnte die Aufkleber entfernt haben. Hybridautos des VW-Konzerns haben ein „GTE“ am Ende der Typenbezeichnung. Ansonten gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie beim Airbag: Abstand, Innenraum erkunden, Batterie abklemmen. Wenn man nicht das Zündschloss erreicht, kann man im Motorraum einen grünen Trennstecker auseinandernehmen, um den Stromfluss zu unterbrechen. Ebenfalls den Stecker ziehen muss man, wenn ein Auto an einer Stromladesäule hängt – und wenn hinten am Auto ein Wohnwagen mit Selbstversorgung, etwa durch Solarzellen auf dem Dach, hängt, denn der könnte seinen Strom in das abgeschaltete Zugfahrzeug leiten.

Brennende Elektro-Autos werden ähnlich gelöscht wie Autos mit Verbrennungsmotor, es sei sogar ungefährlicher, meint Steffen: „Da sind wenigstens nicht 100 Liter Benzin an Bord.“ Aber um die Batteriesäure zu verdünnen, sei sehr viel Wasser nötig, und auch, wenn das Feuer gelöscht sei, müsse der Akku weiter gekühlt werden. Danach, erklärte der Fachmann, gehört das Auto in einen Quarantänebereich.

Wenn die Feuerwehr einen Abschleppdienst rufe, müsse sie darauf hinweisen, dass es sich um ein Elektroauto handle, dann werde ein speziell geschulter Fahrer geschickt. „Und wenn Sie wirklich ’n Bammel haben, ordern Sie über die Leitstelle einen Spezialisten nach“, rät der Experte Carsten Steffen. 

Fotos: Benjamin Manske (1), Wolf Warncke (3)


 

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